Ein Frequenzumrichter (häufig auch als VFD, Inverter oder Umrichter bezeichnet) ist weit mehr als nur ein Bauteil zur Drehzahlregelung. Er fungiert als intelligentes Bindeglied zwischen der starren Netzversorgung und dem flexiblen Leistungsbedarf einer modernen Maschine. Während ein Elektromotor am herkömmlichen 50-Hz-Netz nur eine fixe Drehzahl liefert, ermöglicht der Frequenzumrichter die stufenlose und verlustarme Anpassung von Drehzahl und Drehmoment.
Diese Technologie ist der Schlüssel zur Automatisierung: Sie erlaubt es, mechanische Prozesse exakt zu steuern, die Belastung auf Komponenten zu minimieren und - in Zeiten steigender Strompreise besonders wichtig - den Energieverbrauch massiv zu senken.
Was ist ein Frequenzumrichter?
Ein Frequenzumrichter ist ein elektronisches Gerät, das die Drehzahl eines Elektromotors variabel steuerbar macht. Ohne einen Umrichter würde ein Drehstrommotor, der direkt an das öffentliche Stromnetz angeschlossen ist, starr mit der Netzfrequenz (in Europa 50 Hz) laufen - er hätte also nur eine einzige, fixe Geschwindigkeit.
Der Frequenzumrichter hebt diese starre Bindung auf. Er ermöglicht es, die Drehzahl und das Drehmoment stufenlos an den tatsächlichen Bedarf der Maschine anzupassen. Ob ein Förderband langsam anlaufen muss, ein Lüfter nur auf halber Kraft benötigt wird oder eine Zentrifuge exakt beschleunigen soll: Der Frequenzumrichter fungiert als das "intelligente Gehirn" zwischen der Stromversorgung und dem Motor.
Im industriellen Umfeld kommen diese Geräte heute nahezu überall zum Einsatz - von kleinen Antrieben mit wenigen Watt Leistung bis hin zu Großantrieben im Megawatt-Bereich. Sie steuern dabei vorwiegend:
- Drehstrom-Asynchronmotoren (der robuste Industriestandard).
- Synchronmotoren (für hochdynamische Anwendungen).
- Synchron-Reluktanzmotoren (für höchste Energieeffizienz)
Wie funktioniert ein Frequenzumrichter?
Um zu verstehen, wie ein Frequenzumrichter aus einer festen Netzspannung eine variable Ausgangsspannung erzeugt, lohnt sich ein Blick unter das Gehäuse. Der Prozess der Energieumwandlung verläuft in drei logischen Stufen, die den Motor vom öffentlichen Stromnetz entkoppeln:
Welche Regelungsverfahren kommen zum Einsatz?
Nicht jede Anwendung stellt die gleichen Anforderungen an die Präzision. Moderne Umrichter von Mitsubishi Electric beherrschen daher verschiedene Regelungsarten:
- U/f-Steuerung: Das ist das einfachste Verfahren. Hier werden Spannung (U) und Frequenz (f) in einem festen Verhältnis zueinander erhöht oder gesenkt. Das ist robust und für Anwendungen wie Pumpen oder Lüfter völlig ausreichend, bei denen es nicht auf höchste Dynamik ankommt.
- Vektorregelung (Sensorless Vector Control): Deutlich anspruchsvoller ist die Vektorregelung. Hierbei berechnet der Prozessor im Umrichter ein mathematisches Modell des Motors in Echtzeit. Er kann den magnetflussbildenden und den drehmomentbildenden Strom getrennt voneinander regeln. Der Vorteil: Der Motor kann selbst bei sehr niedrigen Drehzahlen ein hohes Drehmoment halten und Laststöße dynamisch ausregeln, ohne dass die Drehzahl einbricht - und das oft ganz ohne externen Drehgeber.
Warum ist der Einsatz von Frequenzumrichtern wirtschaftlich sinnvoll?
Der Einsatz dieser Technologie zahlt sich in der Praxis doppelt aus: durch den Schutz der Maschine und die Senkung der Betriebskosten.
Wie schützt der Umrichter die Mechanik?
Ein Motor, der direkt am Netz gestartet wird ("Direktanlauf"), zieht im ersten Moment den 6- bis 8-fachen Nennstrom und beschleunigt ruckartig auf volle Drehzahl. Dieser mechanische Schock belastet Getriebe, Kupplungen, Riemen und Lager enorm. Ein Frequenzumrichter fährt den Motor hingegen über eine einstellbare Rampe sanft an. Das eliminiert Stromspitzen und reduziert den mechanischen Verschleiß drastisch, was die Wartungsintervalle verlängert und Stillstandszeiten minimiert.
Wie viel Energie lässt sich tatsächlich sparen?
Besonders bei Strömungsmaschinen wie Pumpen und Lüftern ist das Einsparpotenzial gewaltig. Diese Anwendungen folgen physikalischen Gesetzen (Affinitätsgesetze), bei denen die Leistungsaufnahme in der dritten Potenz zur Drehzahl steigt. Das bedeutet im Umkehrschluss: Eine Reduzierung der Drehzahl um nur 20 % senkt den Energiebedarf bereits um etwa 50 %. Statt einen Luftstrom oder Wasserfluss mechanisch durch Drosselklappen zu bremsen (was Energie vernichtet), passt der Frequenzumrichter die Leistung des Motors exakt an den tatsächlichen Bedarf an.
Experten-Tipp: Der Umrichter ist nur ein Teil der Gleichung. Die größten Effizienzsprünge erzielen Sie im Systemverbund. Insbesondere die Kombination aus einem modernen Frequenzumrichter und einem magnetfreien Synchron-Reluktanzmotor ermöglicht Wirkungsgrade der Klasse IE5, die weit über gesetzliche Standards hinausgehen.
Erfahren Sie hier mehr über das Zusammenspiel von Frequenzumrichtern und Synchron-Reluktanzmotoren!
Was bedeutet "Funktionale Sicherheit" (Safety Integrated)?
Früher mussten Motoren im Notfall über externe Schütze hart vom Netz getrennt werden. Heute ist die Sicherheitstechnik direkt in den Frequenzumrichter integriert. Funktionen wie STO (Safe Torque Off)
sorgen dafür, dass die Ansteuerung der Leistungshalbleiter sicher unterbrochen wird. Der Motor kann kein Drehmoment mehr erzeugen und trudelt aus. Erweiterte Funktionen wie SS1 (Safe Stop 1) bremsen den Motor erst kontrolliert ab, bevor die Abschaltung erfolgt. Das vereinfacht die Verkabelung im Schaltschrank erheblich und ermöglicht intelligentere Sicherheitskonzepte, bei denen die Anlage nach einer Störung schneller wieder anlaufen kann.
Welcher Frequenzumrichter passt zu meiner Anforderung?
Basierend auf den oben genannten Technologien bietet Mitsubishi Electric ein abgestuftes Portfolio an. Die Wahl des richtigen Geräts hängt davon ab, welche Aufgabe gelöst werden soll.
Alle unsere Frequenzumrichter auf einen Blick
Häufige Fragen zu Frequenzumrichter (FAQ)
Kann man Bestandsanlagen nachrüsten (Retrofit)?
Ja, das ist eine gängige Praxis. Frequenzumrichter können in bestehende Schaltschränke integriert werden, um alte Motoren effizienter zu regeln. Dabei muss jedoch geprüft werden, ob die Isolierung des alten Motors für den Umrichterbetrieb geeignet ist und ob die Eigenkühlung bei niedrigen Drehzahlen ausreicht.
Was versteht man unter Netzrückwirkung?
Da Umrichter den Strom "zerhacken" (nicht-lineare Last), können Oberschwingungen entstehen, die das Stromnetz belasten. Hochwertige Geräte verfügen über integrierte Drosseln oder Filter, um diese Effekte zu minimieren und die EMV-Richtlinien einzuhalten.
Wann amortisiert sich die Investition?
Bei Pumpen- und Lüfteranwendungen im Dauerbetrieb liegt die Amortisationszeit (ROI) durch die Energieeinsparung oft bei unter einem Jahr. Bei Prozessanwendungen stehen oft eher die Qualitätssteigerung und der Maschinenschutz im Vordergrund der Wirtschaftlichkeitsrechnung.
Weitere Dokumente zum Downloaden
Wir beraten Sie gerne persönlich!